Ein Traum von einem Hotel

31. Juli 2017

 Hotel Alarun ist 25 Jahre geworden

25 Jahre Flugwerft Schleißheim Christl Schaßberger wollte ein Hotel in Hollern bauen und selbstbestimmt führen - jetzt wurde ihr "Alarun" 25! HotelAlarun25

Die ersten Hochglanzwerbefotos für das Hotel "Alarun" zeigen eine Szene, wie Frühstück serviert wird - durch Monika Hinterholzer, die Direktorin. Geschäftsführerin Christl Schaßberger ist nicht auf den Bildern; "ich hab wahrscheinlich grad in der Küche abgespült", schmunzelt sie. Das 25. Jubiläum des Unterschleißheimer Hotels ist eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Christl Schaßberger hat sich den Betrieb in den Kopf gesetzt, aufgebaut und dann durch alle Zeiten und Widerstände nach ihren Vorstellungen selbstbestimmt geführt - eben auch mit großem Arbeitseinsatz in allen Anforderungen des Hauses. Den 16. März, an dem sich die Eröffnung zum 25. Mal jährte, hat die 60jährige denn auch in ganz eigener Weise zelebriert: "Da hab ich mir vorgenommen, auch mal etwas stolz zu sein".

Jenseits der Bundesstraße B13, auf den alten Hollerner Höfen, von denen einer seit 1912 in Familienbesitz war, ist Christl Schaßberger mit vier Geschwistern aufgewachsen. Wollte sie zunächst Sozialpädagogik studieren, so hat ihr ein Wochenendjob im Gasthof "Linde" bei einem Verwandten im Schwäbischen die Liebe zu Gastronomie und in der Folge zur Hotelerie vermittelt. Unverzüglich trat sie eine Lehrstelle zur Hotelfachfrau an, im heute nicht mehr existierenden Hotel "Metropol" in München.

Nach dieser Erfahrung hat sich der Berufswunsch Hotelgewerbe dann noch dahingehend konkretisiert, dass es unbedingt in Selbständigkeit sein müsse. Christl Schaßberger beschloss, eine Pension zu eröffnen. Bis das realistisch werden konnte, schloss sie noch eine Ausbildung zur Agrartechnikerin an, das ist eine Hauswirtschaftslehrerin im ländlichen Bereich, arbeitete als Haushälterin, in einer Großküche und zuletzt drei Jahre in einem Hotel in Eching an der Rezeption. Damit war das Rüstzeug für das große Wagnis zusammengetragen.

Auf einem Flurstück der Familie im Ort Hollern entstand das Hotel. Hollern hatte traditionell zur Gemeinde Eching gehört, die den Plänen Schaßbergers stets reserviert und mit vielfältigen Einschränkungen begegnet war. 1990, als die Siedlung durch den Neubau der B13 von Eching abgetrennt war, wurde Hollern nach Unterschleißheim umgemeindet. Die Boom-Stadt besaß gerade mal ein Hotel, erkannte enormen Bedarf und billigte alles, was Schaßberger vorschlug.

Mitten auf der grünen Wiese entstand ihr Hotel "Alarun", mit 56 Zimmern, einer Sauna und zwei kleinen Tagungsräumen im Keller, gegenüber der Wächscherei. Alle Zimmer maßen vom Start weg mindestens 24 Quadratmeter, kleine Kammern kamen Christl Schaßberger nicht ins Haus. "Ich wollte alles, damit sich die Leute wohlfühlten". Alarun 1992

Der Name sollte etwas mit den Hollerner Wurzeln zu tun haben, war ihre damalige Prämisse, und möglichst vorne im Alphabeth wäre zur Auffindbarkeit auch nicht schlecht. Der Echinger Dorfhistoriker Georg Kollmannsberger empfahl "Alarun", ein keltisches Wort für "fließendes Wasser", das in alten Urkunden als einstiger Ortsname von Hollern verwendet worden war. "Anfangs war das für mich ein Zungenbrecher", sagt Schaßberger und erinnert sich an Dutzende fehlerhafter Meldungen am Telefon. Bei den Bauarbeiten zum Hotel wurden dann in der Tat keltische Fundstücke ausgegraben. Seither haben alle Benennungen im "Alarun" vom Restaurant bis zu den Tagungsräumen ebenfalls keltischen Ursprung.

Trotz des familieneigenen Grundstücks als Starthilfe und Unterstützung der damals schon verwitweten Mutter Hedwig war die finanzielle Belastung für die Jungunternehmerin immens. Lange Jahre stand das "Alarun" auf der Kippe, nicht zuletzt, als eine weitere Hotelansiedlung in Unterschleißheim mit Kampfpreisen den Markt erobern wollte. "Das hat uns fast abgewürgt", schildert Schaßberger, "das war eine schwere Zeit". Ihre Linie hat sie aber nie verlassen, hat zum Beispiel auch nie den Preiskampf mitgemacht.

Ab der Jahrtausendwende etwa hatte das Hotel sich etabliert und finanziell konsolidiert. In dem um das "Alarum" wachsenden Gewerbegebiet hat sich Christl Schaßberger stets bemüht, die Anlage grün und lebendig zu erhalten. 2004 wurde in Ergänzug zum Frühstücksbetrieb im Haus ein eigenes Restaurat gebaut, das "Freetz" - keltischer Name -, 2005 in Betrieb genommen. 2013 wurde ein Erweiterungsbau begonnen. Der Südflügel mit einer kompletten Tagungsetage zum Garten hin, 2014 eröffnet, hat die Zimmeranzahl jetzt auf 104 fast verdoppelt.

Mit acht Mitarbeitern ist Schaßberger gestartet, heute beschäftigt sie 25, immer etwas mehr, als es laut Stellenschlüssel sein müsste. Das allererste Bewerbungsgespräch, die allererste Einstellung hat dabei das Hotel geprägt. Im August vor dem Start im März 92 unterschrieb Monika Hinterholzer - die heute noch an Schaßbergers Seite das "Alarun" führt. "Es ist unser Hotel", sagt die Inhaberin, "Monika hat immer mit mir zusammen gekämpft". Die beiden Frauen ergänzen sich dabei kongenial; "ich seh den Fleck auf der Fliese in der Nasszelle", skizziert Schaßberger die eingespielte Arbeitsteilung, "sie sieht das große Ganze". Beide zusammen hätten aber stets "die selbe Vision" geteilt.

Vom Start weg 19 Jahre zählte auch Martina Hammer an der Rezeption zum Team, ehe sie gesundheitsbedingt 2012 aufhören musste; 2015 ist sie verstorben. Und einen heute sehr vermissten Beitrag, der in den 25 Jahren abhanden gekommen ist, hatte Hedwig Schaßberger geleistet: Acht Jahre lang hat sie das Frühstücksbüffet mit selbst eingekochter Marmelade vom Hof in Hollern beliefert; sie starb 2010.

Mit "modernen, bequemen Zimmern in ruhiger Lage und doch mit bester Verkehrsanbindung" wirbt das Vier-Sterne-Haus heute für sich, "großzügige und klimatisierte Zimmer, außer Einzel- und Doppelzimmern auch Studios mit separatem Schlafraum und Kitchenettes". Die gesamte Gartenetage des Südflügels ist Tagungen und Seminaren vorbehalten. Es stehen vier Tagungsräume mit eigenem Zugang zum Garten bereit, eine eigene Cafeteria sowie verschiedene Steh- und Sitzgruppen im Pausenbereich. Der Wellnessbereich bietet zwei Fitnessräume, eine finnische Sauna und ein Dampfbad. Übernahmeversuchen von Hotelketten hat Christl Schaßberger stets widerstanden; seit einigen Jahren ist sie nun eine Kooperation im Verbund der "City Partner"-Hotels eingegangen. Unter dem Dach des Tourismusvereins ist sie begeistertes Mitglied der "Hotelallianz" aus den vier inhabergeführten Hotels in Ober- und Unterschleißheim.

Ihr Wagnis vor 25 Jahren hat sie niemals bereut, ihren Lebenstraum nie revidieren müssen. „Es ist ein schöner Beruf", sagt sie, "wir gehen mit Menschen um und das gefällt mir bis heute.“ Die neue Dimension des Hotels seit dem Umbau hat die an Selbstbestimmtheit gewohnte Macherin aber schon an Grenzen gebracht. "Mit 56 Zimmern kann man viel über die Arbeit bewegen", schildert sie, "ich wusste immer: wenns schwierig ist, kann ich es rumreißen". In der jetzt erreichten Größenordnung freilich könne man es "nicht mehr allein bewegen". Der akute Fachkräftemangel in der Branche, moderne Anforderungen an die Betriebsführungen, die so gar nicht mehr die Welt der Selfmade-Frau sind, all das lässt Schaßberger momentan einige der schwierigsten Phasen mit dem "Alarun" erleben.

Die Übergabe ist schon geregelt. Das Hotel ist in eine Gmbh & Co. KG für die elf Nichten und Neffen eingebracht. Bis zum Renteneintritt von Monika Hinterholzer wird das Tandem in jedem Fall weitermachen.