Vom Universum aufs Garagendach

07. Juni 2017

Die Sonderausstellung „All.täglich“ zeigt in der Flugwerft Schleißheim, wie Weltraumforschung das Leben auf der Erde verbessert

Per Navi ans Ziel kommen – das ist Alltag. Das Packerl auf dem Sendungsweg verfolgen – Alltag. Und Freitagabend geschwind am Rechner die Bergtour fürs Wochenende planen, inklusive zuverlässiger Wetterprognose und exaktem Höhenprofil. Das ist inzwischen auch schon Alltag - und zwar im doppelten Wortsinne: Denn all diese praktischen Errungenschaften sind eng mit der Weltraumforschung verknüpft. Satellitennavigation, Datentransfer und zahlreiche innovative Materialien und Geräte haben in den vergangenen Jahrzehnten den Weg aus dem All in unser tägliches Leben gefunden. Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) und die Initiative INNOspace zeigen jetzt in einer Sonderausstellung, wie die Forschung für die Raumfahrt und die Forschung im Weltraum unmittelbar die Lebensqualität auf der Erde verbessern. „All.täglich!“ ist von 2. Juni bis 24. September 2017 in der Flugwerft Schleißheim zu sehen.

Alltaeglich Uebersicht

„Viele Menschen wissen wahrscheinlich gar nicht, dass die Technik, die sie ständig nutzen, ursprünglich für Anwendungen in der Raumfahrt erfunden wurden“, sagt Wolfgang M. Heckl, der Generaldirektor des Deutschen Museums. „Wir sprechen von der Solarzelle auf dem Garagendach, von den Echtzeitbildern des nächsten Urlaubshotels oder von der Gleitsichtbrille – das alles kommt in gewisser Weise aus dem All!“ Die Sonderausstellung in der Flugwerft präsentiert dazu zahlreiche weitere Beispiele für nützliche Innovationen aus der Weltraumforschung.

„Gleich vorweg: Eine Teflonpfanne gibt es hier natürlich nicht zu sehen“, sagt Gerhard Filchner, der Leiter der Flugwerft, und ergänzt: „Die war bekanntermaßen schon erfunden, lange bevor der erste Satellit ins All geschossen wurde!“ Dafür kann man im Themenbereich „Wohnen und Arbeiten“ sensible Roboter oder hauchdünne Solarpaneele kennenlernen, die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt wurden und nun auf der Erde zum Einsatz kommen.

Alltaeglich Kind2

Bei „Gesundheit und Ernährung“ erfährt man zum Beispiel, was ein Muttermal mit einer Galaxie zu tun hat: Denn die Software, die für die Mission ROSAT entwickelt wurde, um Bilder des Weltalls nach Supernovas zu durchsuchen, wird heute verwendet, um schwarzen Hautkrebs frühzeitig zu erkennen. Für diese Software sind das Bild eines Muttermals und das einer Galaxie ganz ähnlich.

Vom Spiegelträger von Teleskopen zum Kochfeld: Glaskeramik Neben „Gesundheit & Ernährung“ und „Wohnen & Arbeiten“ ist die Ausstellung in drei weitere Themenbereiche gegliedert: „Reisen & Freizeit“, „Mobilität & Kommunikation“ und „Wissen & Bildung“. Pro Bereich gibt es zwei Info-Module mit Texten, Ausstellungsstücken und interaktiven Bildschirmen, dazu verschiedene ExponatModule. Je nach Interesse kann man sich an den Stationen in kurzen Erklärfilmen mit Minimalkenntnissen versorgen oder bis zum tiefen Expertenwissen vordringen.

„Wir haben die Themen und Exponate vor allem nach dem Gesichtspunkt ausgewählt, welchen Nutzen die Menschen davon haben“, sagt Franziska Zeitler. Die Abteilungsleiterin Innovation & Neue Märkte beim DLRRaumfahrtmanagement erklärt das Konzept der Sonderausstellung: „Informativ, interaktiv und oft überraschend - wenn man mit unseren vielfältigen Beispielen realisiert, welche Spuren die Raumfahrt in den so unterschiedlichen Lebensbereichen hinterlässt.“

Alltaeglich Module

„‘All.täglich‘ passt perfekt zum Deutschen Museum“, sagt Generaldirektor Heckl, „denn wie sich Wissenschaft und Technik auf das Leben der Menschen auswirken, zeigen wir ja mit all unseren Ausstellungen.“ Und Flugwerft-Leiter Filchner fügt hinzu: „Hier am Standort Schleißheim ist die Sonderausstellung natürlich auch noch hervorragend in die Geschichte des Fliegens eingebettet.“ Um zur Flugwerft Schleißheim zu kommen, muss man übrigens „Ort: 85764 Oberschleißheim, FerdinandSchulz-Allee“ in sein Navi eingeben.