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27. April 2017

Die Orterer-Gruppe, Süddeutschlands größter Getränkeliferant, hat einen neuen Firmensitz in Unterschleißheim gebaut

Firmensitz aussen NachtsIn Süddeutschland hat fast jeder schon mal mit Walter Orterer getrunken: Wein oder Bier, Wasser oder Fruchtsäfte. Die Orterer-Gruppe betreibt über 150 Getränkemärkte in Bayern und Baden-Würtemberg, alleine 85 in und um München. Gesteuert wird der größte Getränke-Einzelhandel Süddeutschlands von Unterschleißheim aus und seit wenigen Wochen von einer hochmodernen, neuen Verwaltungszentrale. Unmittelbar neben dem Ballhaus-Forum hat die Orterer-Gruppe ein zweistöckiges Zentrallager plus Büro mit 7700 Quadratmeter Nutzfläche hochgezogen.

"Sehr ansprechend ist es geworden", freut sich Firmenchef Walter Orterer über die neue Zentrale. In seiner Größe, Geräumigkeit und dem ästhetischen Anspruch symbolisiert der neue Firmensitz damit die Entwicklung des Unternehmens zum Marktführer. Als erster in München hatte Orterer vor über 40 Jahren erkannt, dass genau in diesen Faktoren die Entwicklungschance für die neue Marktidee von Getränke-Abholmärkten liegen würde. Und so setzte er als erster in der Branche auf Großflächigkeit, Bewegungsfreiheit, optische Gefälligkeit und ausreichend Parkraum. 

Der heute 67jährige kennt noch die Zeit, als das Bier für den häuslichen Konsum im Krug vom Wirt geholt wurde. Den Übergang von der Schenke oder der Hauslieferung durch Brauereien mit ausschließlich ihrem Sortiment hin zu Getränkemärkten in den 1970er Jahren erlebte Orterer als Einzelhandelskaufmann bei einer Klosterbrauerei in Niederbayern. Diese neue Entwicklung erkannte er sofort als Chance - vor allem in Abgrenzung zu den wenig verbraucherfreundlichen Methoden, wie sie seinerzeit die Brauereien in ihren ersten Märkten meist praktizierten.

1975 eröffnete der Münchner an der Paradiesstraße im Münchner Lehel seinen ersten "Getränke-Spezial-Discount", wie das damals hieß, als das Tragerl Weißbier im "Spezial-Discount" 16 D-Mark kostete. Der Markt florierte und Orterer expandierte; zunächst behutsam. Vier Märkte führte er 1980, bereits 18 waren es 1985. An der Schwelle zum hundertsten Markt vor der Jahrtausendwende wagte Walter Orterer den ganz großen Schritt: mit der Übernahme der Wein- und Getränkemärkte Benz in Stuttgart im Jahr 2000 griff das Unternehmen in den Großraum Stuttgart aus.

Nach der Übernahme auch noch der "Sobi"-Märkte im Raum Augsburg 2001 verwaltete die Orterer-Gruppe nun über 140 Märkte. Der bisher letzte Baustein zur schließlichen Firmierung als Orterer-Gruppe war der Ankauf von "Fränky" mit über 20 Märkten im Großraum Nürnberg/Fürth. Heute meldet die Gruppe bei 151 Märkten einen Jahresumsatz von rund 250 Millionen Euro. Monatlich kaufen rund zwei Millionen Menschen in Orterer-Märkten ein. Zur Auswahl stehen ihnen dabei nach Firmenangaben über 1300 Artikel mit Bieren aus dem In- und Ausland, selbstausgewählten Weinen, Sekt und Champagner, nationale und internationale Spirituosen, Limonaden mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, Säfte, regionale und internationale Mineralwässer, Süßwaren, Tabakwaren, Partyzubehör und Knabberartikel.

"Essen und Trinken tun die Leute immer", macht sich Orterer um die Zukunft der Branche keine Sorge. Die neue Konkurrenz der Lebensmittelläden mit ihrem Getränkesortiment in den Großmärkten hat die Orterer-Gruppe auch nicht nachhaltig verschreckt. "Bei unserer Sortimentsbreite kann uns kein Discounter je das Wasser reichen", erwartet der Firmenchef. Der Bedarf an alkoholischen Getränken für den Hausgebrauch ist dramatisch und dauerhaft gestiegen, als mit dem Fahrverbot bei Alkoholkonsum ein Wandel in der hiesigen Wirtshauskultur einsetzte.

In den ersten Expansionsschritten gelangte Walter Orterer vor über 30 Jahren dann nach Unterschleißheim, als er ein Zentrallager aufbauen wollte und hier an der Siemensstraße einen geeigneten Platz dafür fand. 1989 siedelte er dann an einem Markt in Unterschleißheim, an der Landshuter Straße, auch die Gesamtverwaltung an. Diese Lösungen sind nun endgültig zu eng geworden.

Mit 6000 Palettenstellplätzen bietet das neue Haus weiter ostwärts an der Landshuter Straße mehr als eine Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten. 6000 Quadratmeter Lagerfläche stehen zur Verfügung. Rund 50 Mitarbeiter sind im Haus in Verwaltung und Lager beschäftigt. Dabei werden unterhalb der Verwaltungszentrale der Orterer-Gruppe nur Wein und Spirituosen gelagert, alle anderen Getränke werden von den jeweils örtlichen Zulieferern direkt an die Märkte gefahren. Speziell bei Brauerein oder Mineralwasser arbeitet Orterer in den jeweiligen Märkten bevorzugt mit örtlichen Produzenten zusammen.

Mit den neuen Kapazitäten in Unterschleißheim wächst die Orterer-Gruppe weiter. Zuletzt wurde im Juli ein weiterer Markt in München eröffnet, an der Berduxstraße in Obermenzing, und im November ein "Benz"-Markt in Weilheim unter Teck in Baden-Würtemberg. Die nächste Neueröffnung ist für April in Allershausen geplant. Die beiden Söhne, Stefan, 40, und Florian, 35, sind längst mit im operativen Geschäft.

"The Clouds" are back

Und damit hat der Seniorchef nun wieder mehr Luft für seine große Leidenschaft: den Rock. Mit sechs Jahren hat Walter Orterer am Akkordeon begonnen, Musik zu machen. Als 15jähriger gründete er in den wilden 1960er Beat-Jahren mit Spezi Peter Jordan eine Band, die sich "The Clouds" nannte. Jordan an der Gitarre, Orterer nun am Bass, "Bimey" Oberreit als Schlagzeuger und Harry Wieser als Sänger wurden seinerzeit eine der angesagtesten Münchner Bands. Von Freizeitheimen bis zum Deutschen Theater tourten sie überall, wo in München was abging, und auf einem ersten Karrierehöhepunkt spielte man sogar in Südfrankreich, ehe der Wehrdienst bei der Bundeswehr 1970 die Auftritte beendete.

Vor einigen Jahren aber kam es zum großen "Clouds"-Revival. Bei einem Wiedersehens-Bier entschloss man sich, es nochmal miteinander zu versuchen. Nun mit Oberreit als zweitem Gitarristen und Raimund Liebhaber neu am Schlagzeug haben sich die "Clouds" wieder in den Probenraum gestürzt und sind seit 2011 wieder auf der Bühne aktiv. Unter anderem haben sie auch schon beim "Schleißheimer Herbst" des Tourismusvereins 2013 die Bühne gerockt. Gespielt wird "die Musik unserer Jugend", wie Orterer schwärmt, handgemachte Klassiker in Beat und Rock. Am 25. Februar spielen die "Clouds" im Weyprechthof, am 3. März im Rattlesnake-Saloo, jeweils in München, weitere Tourtermine auf www.thecloudsmunich.de.