NEUE FARBGESTALTUNG DER SÜDLICHEN SCHLOSSARKADEN ERÖFFNET VERGLEICH ZUM ALTEN ZUSTAND AM NÖRDLICHEN PENDANT

ÜBER JAHRZEHNTE sagten die Leute aus der Umgebung über Schleißheim nur „aufm Bau“;

über Jahre wurde am gigantischen Schloss gebaut und während des Exils des Bauherrn Kurfürst Max Emanuel stand die Baustelle auch noch über zehn Jahre still. Periphere Teile wurden erst später nach ursprünglichen Plänen vollendet oder nach aktuellem Zeitgeschmack ergänzt. Heute noch gibt es immer wieder kleinere Modifikation. So hat jetzt die Galerie zwischen dem Hauptkörper des Neuen Schlosses und seinem Südpavillon gerade die Farbe gewechselt. Einige Monate noch bietet das Schloss den Parkbesuchern damit einen Vergleich zwischen „alt“ in der Farbgebung der nördlichen Galerie und „neu“ am südlichen Pendant.

Die Galerien als notwendige Verbindung des corps de logis, des Hauptgebäudes, mit den beiden Pavillons als perspektivischen Endpunkten der Nord-Süd-Achse waren bereits in der ursprünglichen Planung Henrico Zuccalis enthalten. Bis zum ersten großen Baustopp 1704 nach der Flucht von Kurfürst Max Emanuel ins Exil war der Südpavillon wohl fertiggestellt und ebenso die südliche Galerie. Die Entsprechung auf der Nordseite war erst im Bau.

Graumussraus 1

Der südliche Pavillon sollte als Nutzanwendung neben des bloßen gestalterischen Anspruchs Gästeappartements enthalten, im nördlichen Pavillon sollten die Pumpenanlagen für die Fontänen der Wasserspiele im Park eingehaust werden. Die Galerien dazwischen, die zur Westseite eine geschlossene und nur oberflächlich gegliederte Front bilden, öffneten sich zur Parkseite im Osten mit jeweils sieben Rundbögen. Sowohl in den Pavillons als auch im Hauptgebäude waren Türen so gesetzt, dass von der Südwand des Südpavillons, also vom südlichsten Punkt des gesamten Schlosskomplexes, bis zur Nordwand des Nordpavillons eine durch - gehende Perspektive möglich wäre.

Weitergeführt hat den Bau von Nordpavillon und nördlicher Galerie Josef Effner, der nach der Rückkehr Max Emanuels nach München die Wiederaufnahme der Bauarbeiten ab 1719 leitete. Vollendet wurden die Arkaden der beiden Galeriezeilen dann erst unter der Ägide König Ludwig I. durch Leo von Klenze. Die Bayerische Schlösser-, Gärtenund Seenverwaltung hat in historischen Forschungen nachgewiesen, dass die Fassadengestaltung Effners in Schleißheim, mithin die letztgültige unter dem Erbauer Max Emanuel, zweifarbig war, mit weißen Rücklagen und ockerfarbenen Architekturteilen. Zwischenzeitlich hatte die Theorie gegolten, als drittes Farbelement auch grau einzubringen. Während das corps de logis aufend das corps de logis auf der Westfront bereits auf die zweifarbige Originalgestaltung zurückgeführt wurde, verblieben die Galerien mit grauen Einlagen – wie die nördliche Galerie. Die südlichen Arkadenbögen hat die Schlösserverwaltung jetzt restauriert und das Grau entfernt.Dazu wurden mit einer diffizilen Steinrestaurierung die Bögen und Kapitelle wieder sorgfältig instand gesetzt, nachdem es durch Wasser- und Frostschäden zahlreiche Absprengungen und andere Schäden gegebe hatte. Die jeweils 15 allegorischen Figuren in den Arkadennischen und in den Wandpfeilernischen zwischen den Säulen der Galeriebögen sind eine noch jüngere Ergänzung aus dem späten 19. Jahrhundert. Als unter König Ludwig II. für dessen neues Schloss Herrenchiemsee Attikafiguren gegossen wurden, landeten die Gipsmodelle für diese Gussarbeiten in den Schleißheimer Arkaden. Die Allegorien zeigen Eigenschaften und Themen guter Herrschaft wie Künste, Wissenschaften oder Tugenden. Ein Zeitpunkt für die Sanierung des Nordflügels steht noch nicht fest, war aber jedenfalls für 2016 anvisiert. Eine Restaurierung der Figuren ist bei der Schlösserverwaltung nicht geplant, ihr konservatorischer Zustand sei ungeachtet diverser abgeschlagener Ecken „stabil“. Die einstige Blickachse durch die Galerien übrigens würde heute kürzer ausfallen als von Max Emanuel ins Auge gefasst. Im Nordpavillon fiele der Blick auf die Toilettenanlagen des Hofgartens und die Radlständer der Mieter im Pavillon; im Südpavillon gähnt hinter den Außenwänden immer noch der Krater der Verwüstung, den ein Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg angerichtet hat. Die beiden Türen der Pavillons zu den Galerien hin sind daher dauerhaft verschlossen.