#Lustwandeln

Schleißheim 4.0

Tweetwalk der Schlösserverwaltung mit über vier Millionen Netzkontakten zu Schleißheim weltweit

Die Gemälde an den Wänden der Prunkräume im Schloss Schleißheim waren vor 400 Jahren auch eine Art zeitgemäßer Kurznachrichtendienst. Der Herrscher posierte und setzte sich in Szene, wie er gern wahrgenommen werden wollte; seinerzeit eben in Öl auf Leinwand oder al fresco, heute digital und elektronisch auf Instagramm oder Facebook. Bei einem Tweetwalk der Bayerischen Schlösserverwaltung haben sich nun historisches Posen und modernes Posten vereint und im weltweiten virtuellen Netz zum trendigsten Topic eines Tages potenziert. #Lustwandeln in Schleißheim.

An die fünf Millionen Besucher
hatte das Schloss in den paar Stunden des Tweetwalks - virtuell eingebunden in die Eindrücke und Wahrnehmungen von etwa 20 real anwesenden Bloggern, Instagrammern, Twitterern und Snapchattern. Bei einer Führung der Schlösserverwaltung durch Schloss und Hofgarten mit Abstechern hinter die Kulissen gaben die unter 50 Bewerbungen ausgelosten Blogger und Twitteraten ihre Erkenntnisse und Gefühle in Echtzeit weiter an ihre Liker, Follower und Abonnenten und die steuerten aus jeweils ihrer Bezugswelt Kommentare und Posts bei, so dass sich der Tweetwalk zu einem virtuellen Netz verwob von Münster bis Sydney und vom kulturhistorischen Apercu bis zum Selfie vor Goldbrokat.

Was nun hat das Aschaffenburger Pompejanum mit Lustheim zu tun, warum hat Alexandra Bananenstückchen in ihren Cappuccino geschüttet und ist Schleißheim wirklich virenschleuderpreisverdächtig? Die Teilnehmer berichten, dass während des Tweetwalks an die 1800 Tweets abgesetzt wurden, die für rund 4,4 Millionen Impressionen im Netz sorgten und alle diese Fragen klärten - oder erstmal aufwarfen. #Lustwandeln führte stundenlang die Hitliste der Trending Topics an. Kurz vor Ende der Aktion meldete ein User an die Community, dass beim Tippen von #L in Twitter die intelligente Texterkennung mittlerweile schon #Lustwandeln als Ergänzung vorschlug.

"Die Kampagne hatte eine wahnsinnig hohe Reichweite",
freut sich Sandra Kunstwadl, die für den Tourismusverein bloggte und zwitscherte, "das Ziel, auf Schleißheim aufmerksam zu machen, wurde ganz klar erreicht!" Ihre persönliche Bilanz vom ersten Tweetwalk: "Wenig Aufwand, hohe Reichweite und einfach spannend." Ausführlicher ist ihr Bericht zum Tage mit allen Links auf die komplette Dokumentation und zu weiteren nachträglichen Blogs zu lesen auf der Webseite des Tourismusvereins, www-tourismus-schleissheim.de, unter -> Blog.
Eingestimmt mit einem Link von Kerstin auf festliche Barockmusik und Alexandras Tweet, dass sie aus lauter Vorfreude beim Frühstück die Banane statt ins Müsli in den Milchschaum getan hatte, ging es los mit der Führung. Die in jeder Widergabetechnik faszinierende Optik wurde dutzendfach gepostet und getweeted; gefiltert durch die jeweilige Wahrnehmung, Interessenlage, Ausdrucksfähigkeit jedes Teilnehmers aber auch dutzendfach verschieden, in Wort, Bild, Film und Sprachnachricht.

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Auch die Reaktionen gerieten tausendfach unterschiedlich. Während Stefanie sich nur freute, "vom Chiemgau aus das #lustwandeln in München mitzulesen ist fast so schön wie selber wandern", steuerte Peter zum Besuch im historischen Obstgarten "einen Minibeitrag zu einem ganz speziellen historischen Obstgärtchen in Den Haag" bei. Das Bibelmuseum Münster meldete Solidarität: "Wir wandeln rund ums barocke Schloss Münster". Wenn ein Tweet über die Gemälde in der Großen Galerie schwärmte, klinkte sich @Pinakotheken ein und lieferte Erläuterungen. In Echtzeit las sich das dann etwa so: 11:31 AM, @immer_Ferien: Wie prachtvoll bitte ist diese Decke! 11:39 AM @Pinakotheken: Alle europäischen Schulen des 17. und 18. Jahrhunderts sind hier mit bedeutenden Werken vertreten.
@Mike weiß: "Wenn Ludwig I. in Schleißheim langweilig wurde, ging er nach Aschaffenburg, an seinem Pompejanum #Lustwandeln". @Kullisti rümpft die Nase über Dokumente einer "herrschenden Klasse, die noch ansehnlich bauen lassen konnte". Svenja schickt einen Link aus Sydney von ihren Urlaubsfotos aus Schleißheim vom Februar. Und Lena spottete: "#Lustwandeln bei Twitter? Ist ja wie Hummer an der Pommesbude."

Am Ende des Tages wurden die Tweet-Eindrücke in Blogs nachbearbeitet und so landete der Tag in Schleißheim auf einem Strickblog neben Anleitungen zum Häkeln und Sockenstricken, auf "Ninastradas Food- und Lifestyle Blog" als „Geheimtipp für Münchner!", in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens und in -zig Kunst-, Kultur- und Tourismus-Blogs. An Netzresonanz hat der Schleißheimer Tweetwalk die erste Aktion dieser Art der Schlösserverwaltung 2015 in Nymphenburg sogar übertroffen. Dafür hatte die bayerische Behörde seinerzeit den "Virenschleuderpreis" für “ansteckendes Marketing" im Bereich Medien und Kreativwirtschaft bei der Frankfurter Buchmesse überreicht bekommen.

Multitasking ist gefragt
"Zuhören, Fotos und Videos machen, Posts lesen, antworten, selbst posten - sehr schnell merkst du, dass du dich keinesfalls auf fünf Dinge gleichzeitig konzentrieren kannst", erzählt Sandra Kunstwadl, die im Tourismusverein das Team Online leitet, "also nimmst du mit, was du mitnehmen willst, zwitscherst das, was dir am wichtigsten erscheint". Und noch eine Erkenntnis: "Für meinen nächsten Tweetwalk brauche ich unbedingt mehr Speicher auf meinem Handy und ein paar mobile Ladegeräte..." Die zentrale Info des Tweetwalks hat @Elli zusammengefasst: "Durch eure Tweets bekommt man richtig Lust auf einen Ausflug nach Schleißheim".

Foto: Klaus Bachhuber